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23 | 03 | 2017
Die Kollegiate zum hl. Bartholomäus Apostel Drukuj
Autor: Dawid Mickiewicz   
Poniedziałek, 19 Listopad 2007 11:16

Die günstigen klimatischen Bedingungen und die nahe Mährischer Pforte führten zur Besiedlung der Region in frühesten Zeiten - wahrscheinlich schon im Mittelpaleolit, also 40 000 Jahre vor Christi Geburt.

Die[1] erste schriftliche Erwähnung Oberglogau stammt aus dem Jahr 1076. Der Name der Stadt ist auf den einst hier wachsenden Hagedorn, polnisch glog, zurückzuführen. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhielt Oberglogau die Stadtrechte. Im Jahr 1284 wurde erstmals die Pfarrei[2][3] wurde der Kirche in die Ehre einer Kollegiatskirche erhoben. erwähnt.1378

In der Kirche hat gewiß der König Jan Kazimierz gebetet, als er Schutz suchend Oberglogau für ein paar Monate zur Hauptstadt Polens[4] machte. Henryk Sienkiewicz, schreibt in seiner Erzählung „Potop“ (Sinflut), dass auch Kmicic[5] hier betete und Gott dankte für die glückliche Rettung.. Sehr wahrscheinlich besuchte hier auch die Gottesdienste der 1806 in Oberglogau weilende große Komponist Ludwig van Beethoven, der während seines Besuches die 4. Sym-phonie komponierte[6]. Wiederum der letzte infulierte Prälat der Kollegiatskirche Marquis de Bombelles wurde 1815 Bischof der französischen Diözese Amiens. In seiner Jugend war hier Organist[7] Gerhard Strecke, ein in Deutschland Mitte des 20 Jahrhundert bekannter Komponist.

Die Kirche, an deren Stelle bereits eine ältere stand, stiftete angeblich um 1350 Friedrich[8] Herzog von Oppeln-Ratibor. Der Grundriß[9] der Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Nach dem Husiteneinfall, der 1428 die Stadt verwüstete[10], wurde die Kollegiate aufgelöst[11].

Beim Wiederaufbau der Kirche Ende des 15. Jahrhundert wurde das Netzgewölbe im Presbyterium nach dem hundert Jahre älterem Vorbild wieder hergestellt. Die über Generationen angesammelten Einrichtungen der Kirche gingen 1765 während des Brandes, der die Kirche vernichtete[12], verloren. Innerhalb von 5 Jahren, ab 1776, hat der hiesige Pfarrer Prälat Anton Borek, mit Geldern[13] der Besitzer von Oberglogauer der Grafen von Oppersdorff eine gewaltige Barockisierung der Kirche begonnen. Die Schöpfer der Werke waren Franz Anton Sebastini (eigentlich Sebesta) und Johannes Joseph Schubert, beide gebürtig in Mähren.

Sebastini erhielt den Auftrag der Ausmalung der ganzen Kirche mit Fresken[14].

Richten wir unseren Blick auf das Gewölbe der Kirche

Die gotische Struktur wurde während der Arbeiten nachgebessert, was dem Kircheninnenraum mit den Fresken den Eindruck einer barocken Einheit verleiht. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass die Einbindung in die mittelalterliche Konstruktion sehr oberflächlich war. Das Gewölbe blieb gotisch mit Spitzbögen. Entfernt wurden nur die Rippen, die in der späteren Gotik keine wichtige Rolle mehr spielten. Sebastini bekam dadurch eine große Fläche für die Gestaltung einer einheitlichen malerischen Komposition. Eine Eigenart der Oberglogauer Pfarrkirche ist, im gotischen Inneren, das dem spätem Barock eigenen Zusammenspiel aller Auschmückungselemente: der Fresken, Figuren, Schnitzereien der Altäre, Bänke und der Details der Stuckarbeiten. 

Schauen wir nach rechts in die Josephs-Kapelle13a

Die Fresken der Josephs-Kapelle erstellte Sebastini als Referenz kostenlos. In der Kuppel der Kapelle, die als Vorbild die Kuppel der St. Peter-Basilika im Vatikan hat, sehen wir die Szene „Verlobung der hl. Maria mit dem hl. Josef“. An den Seitenwänden befinden sich zwei Gemälde: „ Die Flucht aus Ägypten“ und „ Der 12-jährige Jesus lehrt im Tempel“.

Leider ist das Sebastini-Altarbild abhanden gekommen. Deren Platz nahm ein Bild des Malers Lauffer ein, das thematisch mit der Bestimmung der Kapelle einhergeht- es stellt den „Tod des hl. Josephs“ da.

Richten wir uns jetzt zum Presbyterium

Das Zentrum der Kirche öffnen die Zwillings-Konstruktionen der Kanzel und de Taufsteins. Über dem Taufstein sind die Stammeltern Adam und Eva dargestellt. Sie lehnen sich an die Weltkugel an, die durch eine Schlange umschlungen ist. Die Überlieferung besagt, dass Sebastini dem Adam sein eigenes Gesicht verliehen hat. Auf dem Baldachin darüber sehen wir die Taufe Christi im Jordan, als die Stimme des Vaters sagte „das ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe.“

Auch an der Kanzel bediente man sich der Symbolik. Die Figuren der Jünglinge halten Schafe - „hüte meine Schafe“ - und zeigen auf die am Felsen erbaute Kirche. Die Darstellungen über der Kanzel beziehen sich auf die Worte des Evangeliums „dir gebe ich die Schlüssel des Himmelreiches“, die Christus an den hl. Petrus gerichtet hat.

Zwischen den Rippen im Gewölbe des Presbyteriums hat Sebastini die personifizierten Kardinaltugenden in der Umgebung von Possen reißenden Putten, Girlanden und Vasen, untergebracht. An den Seitenwänden finden sich großflächig Szenen aus dem Leben des Schutzpatrons der Kirche des hl. Bartholomäus, in reich verzierten gemalten Rahmen

Der hl. Bartholomäus ist in vier Apostelbriefen erwähnt, er gehörte zu den Erstberufenen der zwölf Aposteln. Das Neue Testament übermittelt uns lediglich seinen Vornamen, und im Johannesevangelium ist er unter dem aramäischen Nahtanael Bar Tholomai genannt, also Sohn des Tholomai. Nahtanael heißt übersetzt: „Gott gab“, was dem slawischen Namen „Bogdan[15]“ entspricht. Er stammt aus einer armen Fischerfamilie aus Kana in Galiläa, und einst vermutete man, dass eben bei seiner Hochzeit Jesus die wunderbare Umwandlung von Wasser in Wein vollbrachte. „Ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit“ - sagte der Jezus über Bartholomäus, als ihn Philipus mit den Worten „Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs“  zum Herrn führte. Später war Bartholomäus bei dem wunderbarem Fischfang im See Theberias  dabei.

Nach dem Pfingstereignis verkündete Bartholomäus die Frohe Botschaft in den barbarischen Ländern des Ostens, in Indien, Phrygien , Armenien und Mezopotamien.

Bartholomäus starb den Märtyrertod, und seit den Zeiten des hl. Izidors aus Sevilla verbreitete sich die Überzeugung, dass er im Jahre 71 enthäutet wurde. Daher gilt er seit Jahrhunderten als Schutzpatron der Gerber, Riemer und Metzger. Er wird auch verehrt als Fürbitter der Bergleute, Hirten, Bauern, Winzer, Lederarbeiter, Gerber, Sattler, Schuhmacher, Schneider, Metzger, Buchbinder, Stuckateure, gegen Zuckungen, Haut- und Nervenkrankheiten, der Städte Frankfurt/Main, Maastricht, Pilsen und Altenburg sowie des Bistums Lüttich..

Kehren wir aber zu den Fresken in der Kirche zurück.

An den Seiten des verlängerten Presbyteriums sehen wir sieben einfarbige Bilder: Jesus und die Samariterin, Der Hauptmann aus Kapharnaum, Die Arbeiter im Weinberg, Die Ehebrecherin, Christus heilt Kranke, Die hl. Maria von Magdala und Die Fußwaschung. Darüber befindet sich die Loge der Familie von Oppersdorff.

Als Übergang vom Presbyterium zum großen Deckengemälde im Chor des Hauptstchiffes wurde eine den hl. Bartholomäus anbetende Engelgruppe dargestellt. Auf dem Gewölbe zauberte der Künstler den Eindruck der Tiefe, die sich im Glanze des Himmels eröffnet. Der Mittelpunkt der Darstellung und die Quelle des Lichtes ist Gott, zur Ihm tragen die Engel die Haut des hl. Bartholomäus und die Attribute seines Märtyrertodes. All dies in der Umgebung von Rokoko- Ornamenten, die unbemerkt aus Gemälden in Stukarbeiten übergehen. So sind auch fast alle Figuren der Kirchenväter gefertigt: der hl. Gregor der Große, hl. Hieronymus, hl. Ambrosius und hl. Augustinus

Die Ausschmückung des Hauptschiffes ergänzen die Statuen der im 17. Jahrhundert besonders populären Heiligen: Johannes Nepomuk und Franz Xavier, die wir rechts und links sehen. Unter der Orgelbrüstung befinden sind die hl. Helena und ihr Sohn, Kaiser Konstantin der Große. Es ist eine Besonderheit, weil Seine Figur lediglich in ein paar Kirchen in Polen zu finden ist.

Unter dem Chor und an den Seiten sehen wir vier sehr schön geschmückte Beichtstühle - als Orte des Sündenbekenntnisses und der Sündenvergebung. Der Künstler kennzeichnete jeden der vier Beichtstühle mit der Figur eines reumütigen Sünders. Auf einem der hl. Petrus mit dem Hahn, der an die Gewissensqual erinnert. Gegenüber der mit Reue erfüllt König David mit der Harfe, der angebliche Verfasser der alttestamentarischen Psalmen.

Schauen wir jetzt in die Kapelle der hl. Kandida , auf der nördlichen Seite der Kirche.

Die hl. Kandida ist eine römische Märtyrerin. Seit dem 17. Jahrhundert wird sie als Schutzpatronin der Stadt verehrt. 1641 schenkte Papst Urban VIII dem Oberglogauer Majorat die Reliquien der Heiligen. Die Reliquien werden jetzt in dem Reliquienschrein auf dem Altar in der ihr geweihten Kapelle und angeblich indem Turmknopf des Rathauses aufbewahrt[16]. Richten Sie ihre Aufmerksamkeit auch auf die drei Figuren rechts in der Kapelle. Sie stammen aus dem Jahr 1499 und stellen dar: die Muttergottes mit dem Jesuskind, den heiligen Johannes Evangelist und den Johannes der Täufer.

Die Aufmerksamkeit der Besucher der Kirche verdient auch die an der Kollegiate um 1400 erbaute Oppersdorff-Kapelle.

Die Kapelle trug ursprünglich den Namen Heilig-Kreuz-Kapelle[17], aber seit dem Krypta zum Bestattungsort der gräflichen Familie des Oberglogauer Schlosses wurde, nennt man sie nach dem Namen der Stifterfamilie, die auch als Verteidiger des Katholizismus in der Gegend gelten. Im Presbyterium[18] der Kapelle wird durch Sebastini in einer Scheinarchitektur die Kreuzigung dargestellt. Mit größter Beachtung fesselt uns der Alabaster Epitaph zur Ehren des bekanntesten Oppersdorffer - Georg III .

Zum Schluss des Besuches der mittelalterlichen Kollegiate darf man nicht verschweigen, dass sie von weiteren bemerkenswerten alten Kunstwerken umgeben ist: die Loretto-Kapelle im Franziskaner Kloster, die ehemalige Hospital-Kirche zum hl. Nikolaus, die 300-Jahre alte im Fachwerkstil erbaut Friedhofskirche, das Schloß und das Rathaus, sowie die ehrwürdiger Bürgerhäuser am Ring, die ebenfalls durch die mährischen Künstler verschönert worden sind.

Alle diese architektonischen Kunstwerke sind entstanden und wurden erhalten, weil das hiesige Volk immer gottgläubig war. Die Sorge um den Glauben und die Religion der einfachen Leute und der Herrscher bewirkten, dass die Menschen der katholischen Kirche treu blieben und zugleich den Glauben an die nachfolgenden Generationen weiter gaben.

Lieber Besucher, verweile noch einen kurzen Augenblick im Gebet und mit den Klängen der Musik. Mögen sie dich zu Gott und zur einem erfüllten Leben führen...

ks. Ryszard Kinder, Dawid Mickiewicz

[1] „ wahrscheinlich“ erste Erwähnung. Die von Dziewulski als Oberglogau gedeutete Stadt Glogowa ist eher Glogau/Glogow in Niederschlesien

[2] erstmals ein Pfarrer

[3] muß 1379 sein

[4] ein paar Monate von hier aus die Regierungsgeschäfte Polens führte

[5] für deutsche Besucher eine unbekannte Geschichte

[6] lt. Beethoven-Forscher stimmt das nicht. Die 4. Symphonie wurde dem Oppersdorff gewidmet

[7] spielte hier die Orgel , angestellter Organist war Strecke nicht

[8]  muß sein Heinrich

[9] Der Grundriß des Mittelschiffes der Kirche

[10]  da Bolko V sich zu der Hus-Lehre bekannte, wurde die Stadt verschont; nicht verwüstet, lediglich geplündert

[11]  der Satz klingt so als ob die Kollegiate endgültig aufgelöst wurde, „das Kapitel der Kollegiate wurde für einige Jahre aufgelöst“

[12] bei diesem Stadtbrand wurde die Kirche nicht verbrannt

[13]  hat Prälat Borek mit eigenem Geld, (höchstens ) mit Unterstützung der Besitzer.......

[14] und Schubert für Figuren und plastische Ornamente

13a  dieser Kapitel paßt doch besser mehr hinten

[15]  ist für einen deutschen Besucher nicht nachvollziehbar

[16]  früher war das so; es ist schwer vorstellbar, dass 1957 bei dem Wiederaufbau der völlig zerstörtenTurmspitze Reliquien in den Knopf hineingelegt wurden

[17] nach der Erbauung hieß sie Marienkapelle, nach dem Umbau durch Georg II um 1600 Totenkapelle oder auch deutsche Kapelle; auch Kreuzkapelle weil bis zur Ausmalung durch Sebastini ca. 1780 ein großes Kreuz über dem Altar war. Dieses Kreuz war dann vermutlich in der nördlichen Vorhalle;

[18] Im Altar der Kapelle, ein Presbyterium hat die Kapelle ja nicht

Zmieniony: Sobota, 31 Maj 2008 01:55